Klimawandel – Kapitel 3

Gestern und Heute

 

Human influence on the climate system is clear, and recent anthropogenic emissions of greenhouse gases are the highest in history. Recent climate changes have had widespread impacts on human and natural systems.

 

Der menschliche Einfluss auf das Klima ist deutlich und rezente vom Menschen verursachte Emissionen von Treibhausgasen sind so hoch wie noch nie. Aktuelle Klimaveränderungen hatten bereits weitreichende Auswirkungen auf menschliche und natürliche Systeme.

 

Diese Aussage ist in dieser oder ähnlicher Form auf der ganzen Welt präsent. Die einen nicken stumm mit dem Kopf, andere tun es als Unsinn ab. Das ist es natürlicht nicht, um soviel zu verraten. Doch was hat sich eigentlich genau verändert? Und von welchem Ausmaß sprechen wir?
Die einschlägigsten Veränderungen unserer Erde in Bezug auf den Klimawandel sind im Folgenden beschrieben. Die Quelle ist das IPCC (siehe Kapitel 1):

 

Temperaturanstieg der Erdoberfläche

Eisschmelze

Meeresspiegelanstieg

Versauerung der Ozeane

Niederschlag

 

 

Temperaturanstieg der Erdoberfläche:

 

Die Erdoberfläche hat sich in den letzten 100 Jahren deutlich erwärmt. Wir sprechen hier im globalen Durchschnitt von ca. 1 °C.

Beobachtete Veränderungen der Oberflächentemperatur von 1901 bis 2012.

Beobachtete Veränderungen der Oberflächentemperatur von 1901 bis 2012.

1 °C klingt nicht wirklich viel. Jedoch kann ein Grad Unterschied in der Temperatur eine Menge bewirken. Viele physikalische, chemische und biologische Prozesse werden von der Temperatur gesteuert und bedingt. Die Eisbildung, die Aktivität von Enzymen und das Wachstum von Mikroorganismen sind dabei nur einige Beispiele. Schon jetzt ist ein Großteil der Korallenarten betroffen. Viele Korallen leben in Symbiose mit Mikroalgen, welche bei zu hohen Temperaturen schnell absterben. Ohne die Symbionten verenden auch die Korallen und hinterlassen ihre bekannten weißen Kalkskelette.

 

Ansammlung von verblichenen ("bleached") Geweihkorallen. Es bleiben nur ihre Kalkskelette zurück.  - Keppel Island Riff (Australien)

Ansammlung von verblichenen („bleached“) Geweihkorallen. Es bleiben nur ihre Kalkskelette zurück. – Keppel Island Riff, Australien (Foto: P. Marshall)

 

Jedes der letzten drei Jahrzehnte war im Durchschnitt wärmer als alle vorherigen Jahrzehnte seit Beginn der Wetteraufzeichnung um 1850

Dies gilt auch für die letzten drei Jahrzehnte im Vergleich. Seit den 70er Jahren war jede 10-Jahr-Periode wärmer als die vorherige. Unter anderem war das eines der Phänomene, welche die Wissenschaft auf den Klimawandel aufmerksam machten.

 

Die Ozeane haben 90% der durch den Temperaturanstieg neu zugeführten Energie gespeichert. Die Atmosphäre zum Vergleich 1%.

Wasser ist ein hervorragender Wärmespeicher. Nehmen wir den Regenwald und die Sahara im Vergleich. Im Regenwald ist es am Tag heiß und feucht, in der Wüste heiß und trocken. Sobald es dunkel wird, kühlt die Wüste stark ab – manchmal herrschen nachts sogar Minusgrade. Im tropischen Regenwald dagegen fällt das Thermometer nur selten unter 15 °C. Das liegt an der hohen Luftfeuchtigkeit und den physikalischen Eigenschaften des Wassers. Wo viel Wasser ist, kann bei Tag viel Wärme gespeichert und nachts gleichmäßig wieder abgegeben werden. Da Wüsten in der Regel staubtrocken sind, können sie am Tag auch nicht viel Energie (Wärme) aufnehmen.

 

 

Eisschmelze:

 

Die Eisschilde der Antarktis und Grönlands haben an Masse verloren.

Ausdehnung der ozeanischen Eismassen in Arktis und Antarktis. In der Antarktis befindet sich das meiste Eis auf dem Festland und wird daher hier nicht berücksichtigt.

Ausdehnung der ozeanischen Eismassen in Arktis und Antarktis. „Sea ice“: Eis, was auf dem Wasser treibt und im direkten Kontakt mit dem Ozean steht.

Diese Eismassen sind die größten der Erde. In den Medien spricht man oft vom „Schmelzen der Polkappen“. Die Ausdehnung der Eisschilde wird mithilfe von Satellitenscans gemessen und ausgewertet.

 

Die Gletscher der Erde sind fast überall geschrumpft.

Man spricht hier zum Beispiel auch von den kleineren Gletschern in den Alpen. Interessant sind hier die Vergleiche von alten und neuen Aufnahmen der Gletscher.

 

Die Schneebedeckung auf der Nordhalbkugel im Frühling (März, April) hat sich verringert.

Viele Ski-Gebiete leiden bereits unter der mangelnden Schneebedeckung zum Ende der Saison. Abhilfe wird hier durch Schneekanonen geschaffen. In den Alpen ist die künstlich beschneite Fläche bereits so groß wie der Bodensee. (Am Rande: Der Wasserverbrauch ist höher als der Jahresverbrauch der Stadt München und beim Strom ist pro Jahr bereits Nürnberg überholt.)

 

 

Meeresspiegelanstieg:

 

Von 1901 bis 2010 ist der Meeresspiegel um fast 20 cm gestiegen.

26% von Holland liegen unter dem Meeresspiegel, der Rest nicht einmal einen Meter darüber. Beim Mekong-Delta in Vietnam sind es im Durchschnitt 1,52 Meter und wer sich die wohlüberlegten künstlich geschaffenen Inseln in Dubai (z.B. die Palme oder die Weltkarte) noch ansehen will, sollte sich beeilen.

 

Je höher der Meeresspiegel desto höher auch die Sturmfluten. Die Hallig Südfall im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer blickt in keine besonders rosige Zukunft.

Je höher der Meeresspiegel desto höher auch die Sturmfluten. Die Hallig Südfall im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer blickt in keine besonders rosige Zukunft.

 

Die Geschwindigkeit, mit welcher der Meeresspiegel steigt, ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts höher als der durchschnittliche Wert der letzten 2.000 Jahre.

Hier kurz angemerkt: Die letzte Kaltzeit war vor etwa 14.000 Jahren. Ich denke viele von euch haben Bilder von Höhlenmenschen und Mammuts im Kopf, welche im weitreichenden Eis umherziehen. Solche Kaltzeiten treten in fast regelmäßigen Abständen auf und gehen dann mit viel Geschmelze in Warmzeiten über. Seit etwa 12.000 Jahren ist die letzte Kaltzeit auf dem Rückzug. Als am Anfang dieser Periode die dicke Eisdecke zu schmelzen begann, floss das gebundene Wasser ins Meer und führte zu einem Anstieg des Meeresspiegels. Genau das passiert seit 12.000 Jahren – und seit Mitte des 19. Jahrhunderts steigt der Meeresspiegel schneller als der bisherige Durchschnitt. Hinzu kommt die thermische Ausdehnung des Meerwassers, welche einen Großteil des Anstiegs ausmacht. Hierzu genaueres in Kapitel 4.

 

 

Versauerung der Ozeane:

 

Der ph-Wert des Oberflächenwassers der Ozeane hat sich um 0,1 verringert. Das entspricht einem Anstieg im Säuregehalt von etwa 26%.

Schalenstruktur von kalkbildenden Algen (hier: Coccolithophoridae) bei normalem Säuregehalt (links) und bei hohem Säuregehalt des Wassers (rechts).

Schalenstruktur von kalkbildenden Algen (hier: Coccolithophoridae) bei normalem Säuregehalt (links) und bei hohem Säuregehalt des Wassers (rechts).

Warum ist das so gravierend? In den Ozeanen herrscht ein chemisches Gleichgewicht mit einem pH-Wert um 8 herum. Die Meeresorganismen haben sich über die Jahrmillionen an diesen Wert angepasst. Verändert sich der pH-Wert in kurzer Zeit so drastisch, hat das weitreichende Auswirkungen:
Viele Tiere benötigen Karbonat-Ionen für den Aufbau ihrer Gehäuse und Strukturen – darunter Schalentiere, Korallen und auch Plankton. Wenn das Meer saurer wird, sind auch weniger Karbonat-Ionen verfügbar und die Organismen bilden dünnere Schalen oder werden komplett im Wachstum gehemmt. Diese Entwicklung könnte vernichtende Folgen für marine Ökosysteme haben.

 

 

Niederschlag:

 

Die Salinität der Ozeane hat sich verändert. Gebiete mit hohem Salzgehalt (hohe Verdunstung) sind salzhaltiger und solche mit niedrigem Salzgehalt süßer geworden.

Der Salzgehalt ist ein wesentlicher Faktor, ob marine Organismen in einem Gebiet leben können. In Regionen mit hohem Salzgehalt, wie zum Beispiel dem Roten Meer, sind die Arten meist schon an ihrer oberen Toleranzgrenze angekommen und können noch mehr Salinität nicht ertragen. Als Folge wandern sie ab und das Gebiet ist um viele Arten ärmer. Das gleiche gilt auch für süßeres Wasser.

 

Um euch für die eigene Beurteilung dieser Fakten das nötige Hintergrundwissen zu bieten, geht es im nächsten Kapitel um die wissenschaftlichen Grundlagen. Ich werde diese so allgemeinverständlich wie möglich erklären und euch keine Formeln um die Ohren hauen. Kapitel 4 gibt euch im Anschluss an diesen Artikel ein breiteres Verständnis der Klimawissenschaften.

 

Quellen: IPCC, Express.de, gletscherarchiv.de, Holland.com

 


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2 Kommentare zu "Klimawandel – Kapitel 3"

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Birgit
2 Jahre 10 Monate

Hallo Arne!
Das ist alles sehr verständlich geschrieben und es sind unglaubliche „Zahlen“, die ich bisher noch nicht wusste. Kapitel Nr.4 bitte, ich warte.
Dein größter Fan

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